Schlafatlas 2017

So schläft Deutschland

1 Wie gut schläft Deutschland

Wie steht es um den Schlaf in Deutschland denn wirklich? Stimmt es, dass Qualität und Tiefe der Nachtruhe immer schlechter werden? Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Schlaf? Schläft es sich besser in der Stadt oder auf dem Land? Was sind die größten Schlafkiller? Welche Sorgen rauben den Menschen zwischen Flensburg und Passau den Schlaf, und welche Tricks und Rituale haben sie, um gut einzuschlafen und durch die Nacht zu kommen?

2 Die 10 wichtigsten Fakten

1. Traumfabrik: Rentenalter
Mit zunehmendem Lebensalter wird auch die Traumerinnerung häufiger, denn der Schlaf wird im Alter störanfälliger.

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2. Schlafmangel in Familien ist weiblich
Paare mit Kindern stehen früher auf und gehen später ins Bett. Die Doppelbelastung zugleich Mutter und beruflich erfolgreiche Frau zu sein, schlägt sich massiv auf die Schlafqualität der Frauen nieder.

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3. Bayern sind die größten Schnarchnasen
In Bayern schnarchen die Bewohner häufiger als in den anderen Bundesländern.

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4. Schleswig-Holstein, das Land der Nickerchen
51% der Schleswig-Holsteiner legen sich tagsüber für ein Nickerchen hin, höchster Wert in Deutschland zusammen mit Bayern.

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5. Albtraumalter U30
Über 30 % der unter 30-Jährigen leiden unter regelmäßigen Albträumen. Die Erinnerung an Träume nimmt im Lebensalter zu, jedoch die Albträume ab.

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6. Topverdiener schlafen weniger
Erwerbstätige mit einem hohen Einkommen über 3500 € netto im Monat schlafen mit 6:30 Stunden täglich 24 Minuten kürzer als der deutsche Durschnitt (6:54 Stunden).

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7. Deutsche schlafen schlechter, als sie denken
Vergleicht man die subjektive Einschätzung der Deutschen mit den objektiven Messungen eines Biosignal-Schlafsensors wie dem SE 80 von Beurer, so ist festzustellen, dass die Deutschen ihren Schlaf tendenziell besser einschätzen, als er tatsächlich ist. Die Deutschen schätzen ihre Schlafdauer im Schnitt auf 6:54 Stunden. Die objektive Messung ergibt eine Dauer von nur 6 Stunden.

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8. Schlaf-Spitzenreiter Bremen
Bremen belegt Platz 1 im Regionen-Ranking mit der höchsten Schlafzufriedenheit.

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9. Berliner schlafen schlecht
Berliner haben die geringste Schlafzufriedenheit aller Bundesländer und landen im Regionen-Ranking des Beurer Schlafatlas 2017 auf dem letzten Platz.

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10. Norddeutschland schläft besser als Süddeutschland
In der Küstenregion schlafen die Menschen länger als in der Alpenregion - nicken nicht so viel ein und müssen weniger Schlaf nachholen. Auch macht den Süddeutschen das Wetter mehr zu schaffen.

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3 Subjekte und objektive Messung / SE 80

Die Bevölkerung beurteilt ihren Schlaf subjektiv tendenziell besser und länger, als er tatsächlich ist. So schätzen die Deutschen ihre absolute Schlafdauer im Schnitt auf 6:54 Stunden, die objektive Messung mit dem Schlafsensor SE 80 SleepExpert ergibt aber eine reine Schlafzeit von nur sechs Stunden.

Objektiv schlafen wir schlechter und kürzer, als wir subjektiv denken: Die Umfrageteilnehmer bewerten ihre Schlafzufriedenheit auf der Zufriedenheitsskala von 0 (= gar nicht zufrieden) bis 10 (= sehr zufrieden) im Durchschnitt mit dem Wert 6,91. Im Total Sleepscore des Schlafsensors liegt der Mittelwert bei 6,72. Das ist deutlich darunter.

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Auch die Ergebnisse unserer Umfrage an 3491 repräsentativ Befragten zeigen, dass die Schlafdauer kürzer wird. So hat die Anzahl der Kurzschläfer (kürzer als sechs Stunden) und der Langschläfer (länger als acht Stunden) zugenommen: Innerhalb der gesunden Schlafdauer von sechs bis acht Stunden liegen heute nur noch 79,5 Prozent. 2010 waren es noch 81,6.

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Für Ein- und Durchschlafstörungen erbrachten die Messungen mit dem Schlafsensor SE 80 SleepExpert folgende Ergebnisse: Länger als 40 Minuten Einschlafzeit brauchen 11,3 Prozent der Teilnehmer. Mehr als 8 Schlafunterbrechungen pro Nacht — dort beginnt die klinische Relevanz von Durchschlafstörungen — haben 30,5 Prozent der Teilnehmer, sind also durchschlafgestört. Das deckt sich mit Werten, die auch andere Studien (DESG) gemessen haben.

Für deutliche Schlafprobleme spricht auch der schrumpfende Anteil an erholsamem Tiefschlaf. So beträgt der Anteil des Leichtschlafs am Gesamtschlaf laut Schlafsensor im Durchschnitt bereits 63 Prozent. Die Schlafmedizin geht dagegen von einem «gesunden» Anteil des Leichtschlafs von 50 bis 60 Prozent aus. Die Deutschen schlafen also leichter, als sie sollten. Auch die Anteile des Tiefschlafs (17,2 Prozent) und REM-Schlafs (19,8 Prozent) liegen unterhalb der Normwerte (von jeweils 20 bis 25 Prozent). Wir schlafen also nicht erholt genug.

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4 Schlaf und Familie

Die Familie ist kein Garant für guten Schlaf, sie behindert ihn sogar ein klein wenig: Mit Partner ist die Schlafzufriedenheit schlechter (Note 6,8) als ohne Partner (7,1). Ein Grund dafür ist das Schnarchen des Partners, ein anderer die Kinder.

Paare geben ihre Zufriedenheit mit dem Schlaf mit 6,8 an (auf einer Skala von 0 = gar nicht zufrieden bis 10 = sehr zufrieden), während Singles den Wert 7,12 angeben. Der Unterschied ist bedeutend.

51 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer haben einen «oft beziehungsweise gelegentlich» schnarchenden Bettgenossen neben sich. Von den Verheirateten geben 54 Prozent an, dass sie schnarchen. Bei den Ledigen sind es nur 32 Prozent.

Die Schlafdauer von Paaren mit Kindern ist insgesamt kürzer verglichen mit der von Singles. Unter der Woche beträgt die reine Schlafdauer von Eltern (mit Kindern) 6:42 Stunden, die von Singles 7:06 Stunden. Der Unterschied beträgt somit täglich 24 Minuten. Selbst am Wochenende sind 61 Prozent der Familien mit Kindern schon vor neun Uhr auf den Beinen, im Unterschied zu 48 Prozent der Haushalte ohne Kinder.

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Deshalb ist auch der Wunsch nach mehr Schlaf bei Paaren mit Kindern erheblich größer als bei Singles. Nur 30 Prozent der Singles verspüren ihn regelmäßig, bei den Paaren mit Kindern sind es 40 Prozent.

Hausfrauen, die wegen der kleinen Kinder ganz auf Berufstätigkeit verzichten, klagen zu 62 Prozent über zu wenig Schlaf, im Durchschnitt sind es nur 34 Prozent. Sie fühlen sich auch am stärksten von allen in der Früh "wie erschlagen".

Familien mit Kindern gehen später ins Bett als andere und stehen früher auf. Damit bauen Eltern über die Woche ein erhebliches Schlafdefizit auf, das sie am Wochenende nur unzureichend ausgleichen können.

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Kinder sind Frühaufsteher, ab der Pubertät bis Mitte 20 verändern sie sich in Eulen, also Spätaufsteher. Jugendliche werden spät müde und kommen in der Früh nicht aus dem Bett. Ein früher Unterrichtsbeginn wirkt sich auf Jugendliche leistungsmindernd aus.

Vor dem Einschlafen schauen 90 Prozent der Paare mit Kindern noch fern, bei den kinderlosen Paaren sind es 86 Prozent. Auch bei den anderen Aktivitäten vor dem Einschlafen sind Paare mit Kindern aktiver — sie kommen nicht runter und lenken sich mit TV und Smartphone zu sehr ab.

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5 Schlaf und Arbeitswelt

Berufstätige schlafen weniger und erheblich schlechter als Nichtberufstätige. Unter der Woche schlafen sie nur 6:42 Stunden, während der Durchschnittswert in Deutschland 6:54 Stunden beträgt und Nichtberufstätige sogar 7:18 Stunden täglich schlafen.

Wer morgens zur Arbeit muss, steht früher auf. Erwerbstätige springen unter der Woche durchschnittlich um 6:22 aus den Federn. Nichtberufstätige klettern erst um 7:11 Uhr aus dem Bett.

Berufstätige gehen an Werktagen später zu Bett als die Nichtberufstätigen: 40 Prozent der Berufstätigen gehen erst zwischen 22 und 23 Uhr und 30 Prozent zwischen 23 und 00 Uhr schlafen. Sie brauchen abends länger, um abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.

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Der Qualität ihres Schlafs geben Berufstätige aktuell nur die Note 6,8, während die Nichtberufstätigen ihren Schlaf im Schnitt mit 7,1 bewerten. 38 Prozent der Berufstätigen klagen über Schlafmangel, während es bei den Nichtberufstätigen nur 28 Prozent sind.

Nach dem Aufwachen fühlen sich Berufstätige eher schlapp und erschlagen. Sie geben ihrer morgendlichen Fitness die Note 6,5 — im Unterschied zu den Nichtberufstätigen, die sich eine 6,8 geben. Als topfit nach dem Aufwachen bezeichnen sich lediglich 16 Prozent der Erwerbstätigen, aber 23 Prozent der Nichtberufstätigen.

Besondere Schlafprobleme wegen «Stress bei der Arbeit» haben Menschen, die in Großstädten wohnen — 44 Prozent klagen darüber. Von den Gutverdienern sind es 46 Prozent und von den Nacht- und Wochenendarbeitern 44 Prozent.

Während 53 Prozent der Nichtberufstätigen sich gelegentlich tagsüber ein Schläfchen genehmigen, sind es bei den Erwerbstätigen nur 36 Prozent. Sie kommen in der Regel am Arbeitsplatz nicht dazu, zumal das Nickerchen immer noch schlecht angesehen ist. Dabei fördert es nachweislich die Produktivität.

Leute mit hohem Einkommen (über 3500 Euro netto im Monat) schlafen mit 6:30 Stunden um 24 Minuten täglich kürzer als der Durchschnitt (6:54 Stunden). Sie gehen später zu Bett als niedrigere Einkommensgruppen und stehen früher auf. Sie gönnen sich selten tagsüber Schlaf und nicken nur selten am Arbeitsplatz ein. Sie haben aber insgesamt trotzdem eine etwas höhere subjektive Zufriedenheit mit ihrem Schlaf als der Durchschnitt.

6 Schlaf und Gesundheit
7 Träume, Vollmond, Raumklima und Wetter

In Träumen verarbeiten wir Erlebnisinhalte sowie Ängste und unterdrückte Wünsche. Wir träumen sowohl im Tiefschlaf als auch im REM-Schlaf, doch letztere Träume sind bildhafter und emotionaler. Die meiste Erinnerung haben wir häufig an den letzten Traum vor dem Aufwachen. Leichtschläfer können sich eher an Träume erinnern. Die Erinnerungsfähigkeit kann trainiert werden, und wir können sogar beeinflussen, was wir träumen wollen.

51 Prozent aller Deutschen erinnern sich an ihre Träume. Mit zunehmendem Lebensalter wird das etwas häufiger. Leben Kinder im Haushalt, steigt die Traumerinnerung der Erwachsenen auf 58 Prozent an. Je höher das Einkommen, desto häufiger die Traumerinnerung: Ab einem Nettoverdienst von über 3500 Euro sind es 63 Prozent.

Befragte mit Bluthochdruck erinnern sich etwas häufiger an ihre Träume als Befragte mit normalem Blutdruck — das unterstützt die These, dass leichter Schlaf uns eher an unsere Träume erinnern lässt. 52 Prozent derjenigen, die vor dem Schlafen noch fernsehen, erinnern sich «oft beziehungsweise gelegentlich» an einen Traum. Bei den Smartphone-Nutzern sind es schon 58 Prozent, bei den Bücherlesern sogar 63 Prozent. Wer die geistigen Aktivitäten runterfährt und entspannt, hat einen ruhigeren Schlaf.

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38 Prozent aller Befragten glauben, dass der Vollmond ihren Schlaf beeinflusst, 43 Prozent aller Frauen und 32 Prozent der Männer. 46 Prozent all jener, die abends beten, schreiben auch dem Vollmond einen Einfluss zu. In Bremen glauben 51 Prozent aller Befragten an den Einfluss des Mondes, während es in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein nur jeweils 33 Prozent sind.

45 Prozent aller Deutschen schreiben dem Klima im Schlafraum eine Bedeutung für den Schlaf zu. 57 Prozent aller Großstädter nehmen das Schlafraumklima wichtig, aber nur 42 Prozent in kleineren Orten. Auch hier ist das Einkommen ein wichtiger Faktor. 65 Prozent jener, die über 3500 Euro netto verdienen, achten auf das Raumklima.

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Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Wind, Regen, Sonne beeinflussen die Gesundheit. Wetterfühlige leiden oft unter Migräne, Asthma, Depressionen und Rheuma. 39 Prozent der Deutschen glauben auch an einen Einfluss des Wetters auf den Schlaf. Die Ostdeutschen sagen zu 32 Prozent, das Wetter sei wichtig, die Westdeutschen zu 41 Prozent. Küstenbewohner sind mit 37 Prozent leicht unterdurchschnittlich wetterfühlig, jene der Alpenregionen mit 43 Prozent leicht überdurchschnittlich.

8 Alt und Jung

Das Schlafbedürfnis ist bei Neugeborenen am größten und nimmt kontinuierlich ab. Kleinkinder schlafen zwischen neun und zwölf Stunden täglich, Jugendliche benötigen mindestens acht bis neun Stunden, und Erwachsene sollten eine durchschnittliche Schlafdauer von sieben bis acht einhalten — im Durchschnitt schlafen die Deutschen aktuell aber nur 6:54 Stunden pro Nacht. Bei älteren Menschen nimmt der Tagesgesamtschlaf insgesamt wieder leicht zu, auf 7:24 Stunden. Senioren gehen im Vergleich zu jüngeren Menschen werktags 40 Minuten früher zu Bett: um 21 Uhr 33 im Unterschied zu 22 Uhr 12. Sie stehen werktags allerdings auch fast eine Stunde später auf als die unter 30-Jährigen.

Ältere Menschen stehen auch am Wochenende etwa zwischen sieben und acht Uhr auf, während für die Jüngeren das Wochenende die Zeit des Ausschlafens ist. Berufstätige bleiben dann noch länger liegen, weil sie ihr über die Werktage aufgebautes Schlafdefizit ausgleichen.

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Die Zufriedenheit mit dem Schlaf und das morgendliche Wohlbefinden nehmen im höheren Lebensalter wieder deutlich zu. Jüngere Leute (unter 30) und ältere (über 60) bewerten ihren Schlaf insgesamt besser (mit Werten um die 7,2) als Menschen zwischen 30 und 60 (mit Werten um die 6,6). Am schlechtesten schlafen somit die Berufstätigen, wobei die Talsohle bei den 40- bis 60-Jährigen erreicht ist.

16 Prozent der über 60-Jährigen nehmen regelmäßig mindestens ein Mal pro Woche Schlafmittel ein. Dagegen nehmen jüngere Menschen seltener Schlaftabletten ein, ebenso die 30- bis 60-Jährigen, die mitten in der Berufstätigkeit stehen.

Ältere Menschen schauen anscheinend doch nicht häufiger fern als jüngere Leute. 85 Prozent sowohl der unter 30-Jährigen als auch der über 60-Jährigen verbringen die letzte Stunde vor dem Zubettgehen mit Fernsehschauen. Bei der Lektüre eines Buchs unterscheiden sie sich aber: 46 Prozent der Senioren, aber nur 31 Prozent der Jüngeren greifen zur Gutenachtlektüre. Ein richtiger «Medienbruch» ist das Smartphone. Nur 10 Prozent der Senioren nutzen es vor dem Lichtlöschen, dagegen 64 Prozent der unter 30-Jährigen und immerhin 55 Prozent der 30- bis 60-Jährigen.